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Aus unserer Ausstellung

Die Ulmer Straßenbahn – eine Geschichte mit Zukunft?

Von der Eröffnung 1897 bis zur Zerstörung im Krieg: ein Rundgang mit der Straßenbahn durch Ulm und Neu-Ulm – auf alten Ansichtskarten.

Von Günter Thumerer und Paris Dimitriadis · 85 Abbildungen

Die Ulmer Straßenbahn gehört zu den ältesten in Deutschland. Auf historischen Ansichtskarten ist sie dennoch ein seltenes Motiv: Meist taucht sie nur an großen Knotenpunkten wie dem Bahnhofsplatz oder dem Münsterplatz auf, wo sich bis zum Zweiten Weltkrieg mehrere Linien kreuzten. Viele Streckenabschnitte sind auf Karten kaum erhalten. Dieser Rundgang zeigt, was die Sammler unseres Vereins zusammengetragen haben – eine Reise durch die Stadt von 1897 bis heute.

Die Anfänge: Eröffnung 1897

Mit der Eisenbahn wurde Ulm im 19. Jahrhundert zu einer Verkehrsdrehscheibe: Sieben Bahnstrecken gingen von hier aus. Der Berliner Fabrikant Wilhelm Emmer schlug deshalb vor, Einheimischen, Reisenden und Kaufleuten ein schnelles Verkehrsmittel durch die Stadt zu geben – eine Straßenbahn. Am 15. Mai 1897 wurde sie feierlich eröffnet.

Die feierliche Eröffnung der Ulmer Straßenbahn am 15. Mai 1897: Fahrzeug, Personal und Betriebsleitung.
Die feierliche Eröffnung der Ulmer Straßenbahn am 15. Mai 1897: Fahrzeug, Personal und Betriebsleitung.
So sahen die ersten Fahrzeuge aus, in der Fachsprache Triebwagen genannt.
So sahen die ersten Fahrzeuge aus, in der Fachsprache Triebwagen genannt.
Der alte Ulmer Hauptbahnhof mit einer Straßenbahn im Jahr 1931. Da der Führerstand geschlossen ist, handelt es sich nicht um einen der ersten Triebwagen.
Der alte Ulmer Hauptbahnhof mit einer Straßenbahn im Jahr 1931. Da der Führerstand geschlossen ist, handelt es sich nicht um einen der ersten Triebwagen.
Eine der frühesten Ansichtskarten mit einer Straßenbahn am Bahnhofsplatz (1899). Hinter dem Brunnen das Bahnhofsgebäude, rechts das Hauptpostamt.
Eine der frühesten Ansichtskarten mit einer Straßenbahn am Bahnhofsplatz (1899). Hinter dem Brunnen das Bahnhofsgebäude, rechts das Hauptpostamt.

Das Netz bis zum Zweiten Weltkrieg

Aus der Ringlinie von 1897 wurden bis zur Neuordnung 1904 und mit der Linie nach Neu-Ulm vier Linien, die bis zur Stilllegung im Zweiten Weltkrieg zum Alltag gehörten. In den frühen Jahren wurde das Netz mehrfach neu geordnet, Routen und Nummern änderten sich. 1900 kam die Platzgassenlinie vom Münsterplatz zum Stuttgarter Tor hinzu, 1906 die Linie nach Söflingen, die 1927 über die Olgastraße bis zur Friedrichsau verlängert wurde. Ab 1928 verband Linie 4 den Kuhberg mit dem Krankenhaus am Safranberg.

Stadtplan von Ulm und Neu-Ulm mit farbig eingezeichneten Straßenbahnlinien
Das Liniennetz, nummeriert wie ab 1928 und eingezeichnet, wie es bis 1939 war: Linie 1 rot, Linie 2 blau, Linie 3 violett, Linie 4 gelb, Ringlinie grün.
Der Ulmer Münsterplatz bei Sonnenaufgang. Diese Haltestelle verknüpfte mehrere Linien.
Der Ulmer Münsterplatz bei Sonnenaufgang. Diese Haltestelle verknüpfte mehrere Linien.
Der Münsterplatz war der wichtigste Knotenpunkt des Netzes.
Der Münsterplatz war der wichtigste Knotenpunkt des Netzes.

Am Bahnhofsplatz

Die Mitte des Bahnhofsplatzes nahm der Monumentalbrunnen ein, 1898 von der Zementfabrik Schwenk gestiftet. Ringsum entstand eine Grünanlage; dazu kam ein Kiosk, eine Gusseisen- und Prägeblecharbeit der Firma Kullmann und Ling in Frankfurt am Main von 1900.

Der Ulmer Bahnhofsplatz: Hier kommen Menschen aus aller Welt an. Die Straße, in welche die Straßenbahn rechts abbiegt, ist die Olgastraße.
Der Ulmer Bahnhofsplatz: Hier kommen Menschen aus aller Welt an. Die Straße, in welche die Straßenbahn rechts abbiegt, ist die Olgastraße.
Blick vom Bahnhofsgebäude auf den Bahnhofsplatz. Die ersten Gebäude und Gärten der Olgastraße werden sichtbar, links das 1855 bezogene Postamt.
Blick vom Bahnhofsgebäude auf den Bahnhofsplatz. Die ersten Gebäude und Gärten der Olgastraße werden sichtbar, links das 1855 bezogene Postamt.
Der Bahnhofsplatz, gerahmt von einer prachtvollen Prägekarte.
Der Bahnhofsplatz, gerahmt von einer prachtvollen Prägekarte.
Unmittelbar hinter dem Bahnhof-Hotel befand sich einst ein Biergarten. Das 1870/71 errichtete Gebäude links davon ist das Geburtshaus von Albert Einstein.
Unmittelbar hinter dem Bahnhof-Hotel befand sich einst ein Biergarten. Das 1870/71 errichtete Gebäude links davon ist das Geburtshaus von Albert Einstein.
Eine Ansichtskarte mit mehreren Motiven, darunter die Straßenbahn am Bahnhof und auf der Donaubrücke.
Eine Ansichtskarte mit mehreren Motiven, darunter die Straßenbahn am Bahnhof und auf der Donaubrücke.
Der Bahnhofsplatz vom Postamt aus. Rechts der Bahnhof, in der Mitte der sogenannte Russische Hof, ebenfalls ein Hotel.
Der Bahnhofsplatz vom Postamt aus. Rechts der Bahnhof, in der Mitte der sogenannte Russische Hof, ebenfalls ein Hotel.
Bahnhof und Postamt vom Russischen Hof aus. Neben dem Brunnen stand der Kiosk. Die beiden Wagen sind die ältesten der Ulmer Straßenbahn.
Bahnhof und Postamt vom Russischen Hof aus. Neben dem Brunnen stand der Kiosk. Die beiden Wagen sind die ältesten der Ulmer Straßenbahn.
Alle Gebäude wurden zerstört. Mit dem neuen Bahnhof und dem 1950/51 errichteten Postamt entstand der uns vertraute Anblick.
Alle Gebäude wurden zerstört. Mit dem neuen Bahnhof und dem 1950/51 errichteten Postamt entstand der uns vertraute Anblick.
Die Straßenbahn fährt in die Bahnhofstraße. Erst 1866 wurde die direkte Zufahrt aus der Innenstadt zum Bahnhof mit dem Durchbruch durch die alte Stadtmauer vollendet.
Die Straßenbahn fährt in die Bahnhofstraße. Erst 1866 wurde die direkte Zufahrt aus der Innenstadt zum Bahnhof mit dem Durchbruch durch die alte Stadtmauer vollendet.
Eine fast gleiche Ansicht aus dem Kaiserreich vor dem Ersten Weltkrieg. Rechts der Russische Hof noch im Zustand von 1854, vor dem Umbau von 1910.
Eine fast gleiche Ansicht aus dem Kaiserreich vor dem Ersten Weltkrieg. Rechts der Russische Hof noch im Zustand von 1854, vor dem Umbau von 1910.
Hinter der alten Straßenbahn ist bereits der Saalbau zu erkennen, 1894 bis 1896 im Stil zwischen Neugotik und Neurenaissance über der überwölbten Blau erbaut.
Hinter der alten Straßenbahn ist bereits der Saalbau zu erkennen, 1894 bis 1896 im Stil zwischen Neugotik und Neurenaissance über der überwölbten Blau erbaut.
Oben der Bahnhof, dessen älteste Teile von 1849 im langen Mittelteil stecken; 1866 wurde ein Stockwerk aufgesetzt. Unten der Bahnhof, vom Saalbau aus gesehen.
Oben der Bahnhof, dessen älteste Teile von 1849 im langen Mittelteil stecken; 1866 wurde ein Stockwerk aufgesetzt. Unten der Bahnhof, vom Saalbau aus gesehen.

Hirschstraße und Münsterplatz

Vom Bahnhof fuhr die Bahn durch die Hirschstraße zum Münsterplatz. Fachwerk, Barock, Rokoko, Neorenaissance und Jugendstil – die Hirschstraße war ein Juwel der Architektur und Stadtgeschichte. 1944 wurde sie bis auf das Münster fast vollständig zerstört.

Die Straßenbahn fährt am Saalbau vorbei, einem beliebten Ort für Feiern, Konzerte und Versammlungen.
Die Straßenbahn fährt am Saalbau vorbei, einem beliebten Ort für Feiern, Konzerte und Versammlungen.
Ein häufiges Motiv mit seltenem Zudruck: ein Gedicht, das von ulmischen Köstlichkeiten schwärmt.
Ein häufiges Motiv mit seltenem Zudruck: ein Gedicht, das von ulmischen Köstlichkeiten schwärmt.
Die Straßenbahn fährt durch die Hirschstraße. Links das Hotel „Zum goldenen Löwen“.
Die Straßenbahn fährt durch die Hirschstraße. Links das Hotel „Zum goldenen Löwen“.
Die Straßenbahn fährt dicht durch die Hirschstraße, die Menschen gehen ihrem Alltag nach.
Die Straßenbahn fährt dicht durch die Hirschstraße, die Menschen gehen ihrem Alltag nach.
Zwei Straßenbahnen aus der Nähe in der Hirschstraße.
Zwei Straßenbahnen aus der Nähe in der Hirschstraße.
Das dritte Haus von links mit dem Neorenaissance-Giebel, Hirschstraße 26, ist das ehemalige Schadsche Patrizierhaus. Die Bahn fährt an Läden, Hotels, Wirtschaften und der Brauerei „Zur Stadt“ vorbei. Alles außer dem Münster wurde 1944 zerstört.
Das dritte Haus von links mit dem Neorenaissance-Giebel, Hirschstraße 26, ist das ehemalige Schadsche Patrizierhaus. Die Bahn fährt an Läden, Hotels, Wirtschaften und der Brauerei „Zur Stadt“ vorbei. Alles außer dem Münster wurde 1944 zerstört.
Der südwestliche Münsterplatz.
Der südwestliche Münsterplatz.
Um den südwestlichen Münsterplatz zu verschönern, wurde das Wirtshaus „Zur goldenen Gans“ durch das neue Geschäftshaus mit Münsterhotel des Juweliers Robert Merath ersetzt.
Um den südwestlichen Münsterplatz zu verschönern, wurde das Wirtshaus „Zur goldenen Gans“ durch das neue Geschäftshaus mit Münsterhotel des Juweliers Robert Merath ersetzt.
Alle Gebäude dieser Ansicht außer dem Erker wurden 1944 zerstört. Die Straßenbahn kommt vom Münsterplatz und fährt nach der Kurve am Rathaus vorbei.
Alle Gebäude dieser Ansicht außer dem Erker wurden 1944 zerstört. Die Straßenbahn kommt vom Münsterplatz und fährt nach der Kurve am Rathaus vorbei.

Olgastraße

Die Olgastraße entstand ab 1808 als Promenade am alten Stadtgraben, an Stelle der abgetragenen Bastionen. Aus Villen in tiefen Gärten wurden mit der Zeit Häuser mit kleinen Vorgärten. In der breiten, grünen Straße standen Wohnhäuser, Geschäfte, das Justizgebäude und das königliche Oberamt – und hier wurden die ersten Gleise der Ulmer Straßenbahn verlegt.

Im Vordergrund die Bahnhofstraße, die links in die Olgastraße mündet.
Im Vordergrund die Bahnhofstraße, die links in die Olgastraße mündet.
In der Olgastraße.
In der Olgastraße.
Die Straßenbahn ist gerade in die Olgastraße eingefahren und passiert die ersten Häuser.
Die Straßenbahn ist gerade in die Olgastraße eingefahren und passiert die ersten Häuser.
Die Straßenbahn in der mittleren Olgastraße. Die Häuser unterscheiden sich im Stil und ergeben doch ein schönes Bild.
Die Straßenbahn in der mittleren Olgastraße. Die Häuser unterscheiden sich im Stil und ergeben doch ein schönes Bild.
Wagen Nr. 7 der Ringlinie fährt am Justizgebäude vorbei, damals noch mit offenem Führerstand.
Wagen Nr. 7 der Ringlinie fährt am Justizgebäude vorbei, damals noch mit offenem Führerstand.
Das Keplergymnasium und gegenüber das Justizgebäude. Von dieser Ansicht sind kaum farbige Exemplare bekannt.
Das Keplergymnasium und gegenüber das Justizgebäude. Von dieser Ansicht sind kaum farbige Exemplare bekannt.
Das Kriegerdenkmal an der Ecke Olga- und Frauenstraße im kleinen Stadtpark. Gut zu sehen: die beiden Abzweigungen – links die Ringbahn, geradeaus die Linie zur Friedrichsau.
Das Kriegerdenkmal an der Ecke Olga- und Frauenstraße im kleinen Stadtpark. Gut zu sehen: die beiden Abzweigungen – links die Ringbahn, geradeaus die Linie zur Friedrichsau.
Mit Kränzen wurde am Denkmal der Gefallenen des Krieges 1870/71 gedacht. Je nach Linie biegt die Straßenbahn in die Frauenstraße ab oder fährt weiter.
Mit Kränzen wurde am Denkmal der Gefallenen des Krieges 1870/71 gedacht. Je nach Linie biegt die Straßenbahn in die Frauenstraße ab oder fährt weiter.
Das Kriegerdenkmal für den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Im Obelisken die Inschrift: „Ihren tapferen Söhnen die dankbare Vaterstadt“.
Das Kriegerdenkmal für den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Im Obelisken die Inschrift: „Ihren tapferen Söhnen die dankbare Vaterstadt“.

Frauenstraße und Karlstraße

Die Wagenhalle stand neben dem Elektrizitätswerk. Weil beide für die Stadt so wichtig waren, gingen Elektrizität und Straßenbahn 1905 in städtischen Besitz über.

Ganz links ein neogotisches Haus von 1898 mit der Wirtschaft „Zum Zundelthor“, hinter der Straßenbahn die Zundel-Apotheke.
Ganz links ein neogotisches Haus von 1898 mit der Wirtschaft „Zum Zundelthor“, hinter der Straßenbahn die Zundel-Apotheke.
Die Halle für die Straßenbahnen neben dem Elektrizitätswerk.
Die Halle für die Straßenbahnen neben dem Elektrizitätswerk.
Giebel, Erker, Arkaden und Ornamente unterschiedlichster Epochen prägten die Frauenstraße.
Giebel, Erker, Arkaden und Ornamente unterschiedlichster Epochen prägten die Frauenstraße.
Stattliche Renaissancebauten vom Ende des 16. Jahrhunderts, darunter das Welsersche, später Seutersche Patrizierhaus.
Stattliche Renaissancebauten vom Ende des 16. Jahrhunderts, darunter das Welsersche, später Seutersche Patrizierhaus.
Die aus der Frauenstraße kommende Straßenbahn fährt weiter zum Münsterplatz.
Die aus der Frauenstraße kommende Straßenbahn fährt weiter zum Münsterplatz.
Neben Kutschen und Passanten kommt die Straßenbahn aus der Frauenstraße und fährt in die Karlstraße.
Neben Kutschen und Passanten kommt die Straßenbahn aus der Frauenstraße und fährt in die Karlstraße.
Vom Münsterplatz durch die Platzgasse: Die Straßenbahn passiert die Syrlinstraße und den Karlsplatz.
Vom Münsterplatz durch die Platzgasse: Die Straßenbahn passiert die Syrlinstraße und den Karlsplatz.
Eine Straßenbahn fährt durch die Karlstraße, während zwei Männer die Straße fegen.
Eine Straßenbahn fährt durch die Karlstraße, während zwei Männer die Straße fegen.

Nach Söflingen

Die Zinglerbrücke mit Blick auf Ulm, 1904 benannt nach Rudolf von Zingler, dem früheren Gouverneur der Bundesfestung und Ehrenbürger Ulms.
Die Zinglerbrücke mit Blick auf Ulm, 1904 benannt nach Rudolf von Zingler, dem früheren Gouverneur der Bundesfestung und Ehrenbürger Ulms.
Vor der Umbenennung trug die Brücke einen Namen, der von der Gaststätte „Zum Mohren“ abgeleitet war.
Vor der Umbenennung trug die Brücke einen Namen, der von der Gaststätte „Zum Mohren“ abgeleitet war.
Die Straßenbahn fährt durch die Zinglerstraße. Im Hintergrund, links vom Münster, die Zinglerbrücke.
Die Straßenbahn fährt durch die Zinglerstraße. Im Hintergrund, links vom Münster, die Zinglerbrücke.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gleise wieder aufgebaut. Rechts das damals überwachsene Ehinger Tor.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gleise wieder aufgebaut. Rechts das damals überwachsene Ehinger Tor.
Das Ehinger Tor vor dem Zweiten Weltkrieg – im Moment der Aufnahme fuhr gerade keine Straßenbahn vorbei.
Das Ehinger Tor vor dem Zweiten Weltkrieg – im Moment der Aufnahme fuhr gerade keine Straßenbahn vorbei.
Klein, aber erkennbar: die durch die Wagnerstraße fahrende Straßenbahn.
Klein, aber erkennbar: die durch die Wagnerstraße fahrende Straßenbahn.
Die Straßenbahn fährt durch die Wagnerstraße, die sich gerade erst mit Neubauten füllte.
Die Straßenbahn fährt durch die Wagnerstraße, die sich gerade erst mit Neubauten füllte.
Rechts unten fährt die Straßenbahn in Richtung Söflingen. Auf Höhe der Magirusstraße lag die Ulmer Brauerei-Gesellschaft.
Rechts unten fährt die Straßenbahn in Richtung Söflingen. Auf Höhe der Magirusstraße lag die Ulmer Brauerei-Gesellschaft.
Zwei Straßenbahnen auf Höhe der Christuskirche.
Zwei Straßenbahnen auf Höhe der Christuskirche.
Die Söflinger Straße kurz vor der Schleife, mit zwei Straßenbahnen.
Die Söflinger Straße kurz vor der Schleife, mit zwei Straßenbahnen.
Die Straßenbahn fährt am Gemeindeplatz in Söflingen vorbei.
Die Straßenbahn fährt am Gemeindeplatz in Söflingen vorbei.
Ebenfalls am Gemeindeplatz. Die Karten zeichneten oft ein geschöntes Bild: So wenig Verkehr war höchstens am Sonntag.
Ebenfalls am Gemeindeplatz. Die Karten zeichneten oft ein geschöntes Bild: So wenig Verkehr war höchstens am Sonntag.

Glöcklerstraße, Rathaus und Donaubrücken

Blick vom Ende der Bahnhofstraße und Anfang der Hirschstraße in die Glöcklerstraße.
Blick vom Ende der Bahnhofstraße und Anfang der Hirschstraße in die Glöcklerstraße.
Der Betrachter steht auf der Brücke und schaut in die Straße.
Der Betrachter steht auf der Brücke und schaut in die Straße.
Die Straßenbahn fährt durch die Glöcklerstraße. Nur das Münster wurde nicht zerstört.
Die Straßenbahn fährt durch die Glöcklerstraße. Nur das Münster wurde nicht zerstört.
Zwischen dem Neuen Bau und dem Rathaus lag der Hauptwachplatz mit Pavillon, wo regelmäßig Konzerte stattfanden.
Zwischen dem Neuen Bau und dem Rathaus lag der Hauptwachplatz mit Pavillon, wo regelmäßig Konzerte stattfanden.
Vorne das Rathaus, direkt hinter der Straßenbahn die ehemalige Obere Stube mit Doppelgiebel, das Lokal der Kaufleute und Patrizier. Vorne rechts die Untere Stube, das Lokal der Handwerker.
Vorne das Rathaus, direkt hinter der Straßenbahn die ehemalige Obere Stube mit Doppelgiebel, das Lokal der Kaufleute und Patrizier. Vorne rechts die Untere Stube, das Lokal der Handwerker.
Der Südostflügel des Rathauses wurde 1370 als neues Kaufhaus erbaut und im frühen 19. Jahrhundert bis zu dem hier sichtbaren Zustand zurückgebaut.
Der Südostflügel des Rathauses wurde 1370 als neues Kaufhaus erbaut und im frühen 19. Jahrhundert bis zu dem hier sichtbaren Zustand zurückgebaut.
Das Ulmer Rathaus wurde 1905 nach alten Unterlagen restauriert – zumindest Nord- und Ostseite; der Rest musste mangels Unterlagen neu geschaffen werden.
Das Ulmer Rathaus wurde 1905 nach alten Unterlagen restauriert – zumindest Nord- und Ostseite; der Rest musste mangels Unterlagen neu geschaffen werden.
Eine Aufnahme aus der Zeit des Wiederaufbaus, als die Straßenbahn durch die Neue Straße fuhr.
Eine Aufnahme aus der Zeit des Wiederaufbaus, als die Straßenbahn durch die Neue Straße fuhr.

Über die Donau nach Neu-Ulm

Um nach Neu-Ulm zu gelangen, fuhr die Bahn zuerst über die Herdbrücke zur Insel und dann über die Marienbrücke. Wenn eine Zusammenarbeit zwischen den Königreichen Württemberg und Bayern möglich war, sollte sie es zwischen Baden-Württemberg und Bayern heute erst recht sein.

Herdbrücke und Insel: der Weg von Ulm nach Neu-Ulm.
Herdbrücke und Insel: der Weg von Ulm nach Neu-Ulm.
Die Marienbrücke aus einer anderen Perspektive.
Die Marienbrücke aus einer anderen Perspektive.
Die Straßenbahn hat die Donau überquert, das württembergische Ulm verlassen und das bayerische Neu-Ulm erreicht.
Die Straßenbahn hat die Donau überquert, das württembergische Ulm verlassen und das bayerische Neu-Ulm erreicht.
Ankunft in Neu-Ulm.
Ankunft in Neu-Ulm.
„Partie beim Bahnhof“ – gemeint ist der alte Neu-Ulmer Bahnhof, rechts hinter dem Baum.
„Partie beim Bahnhof“ – gemeint ist der alte Neu-Ulmer Bahnhof, rechts hinter dem Baum.
Ein vergrößerter, nicht kolorierter Ausschnitt dieser Karte.
Ein vergrößerter, nicht kolorierter Ausschnitt dieser Karte.
Fahrtausweis zur beliebigen Benützung der Städtischen Straßenbahnen Ulm während des 32. Allgemeinen Liederfestes des Schwäbischen Sängerbundes, 29. Juni bis 1. Juli 1929.
Fahrtausweis zur beliebigen Benützung der Städtischen Straßenbahnen Ulm während des 32. Allgemeinen Liederfestes des Schwäbischen Sängerbundes, 29. Juni bis 1. Juli 1929.
So sahen die Fahrkarten vor rund 95 Jahren aus. Neben Einzel- und Tageskarten gab es Karten für mehrere Tage oder eine bestimmte Zahl von Fahrten.
So sahen die Fahrkarten vor rund 95 Jahren aus. Neben Einzel- und Tageskarten gab es Karten für mehrere Tage oder eine bestimmte Zahl von Fahrten.
Die Augsburger Straße, die kerzengerade Hauptachse Neu-Ulms. Rechts vor der Straßenbahn das Denkmal für die Gefallenen von 1870/71, im Hintergrund das 1870 erbaute Rathaus. Die Bahn verband den Neu-Ulmer mit dem Ulmer Bahnhof über die Insel und den Münsterplatz.
Die Augsburger Straße, die kerzengerade Hauptachse Neu-Ulms. Rechts vor der Straßenbahn das Denkmal für die Gefallenen von 1870/71, im Hintergrund das 1870 erbaute Rathaus. Die Bahn verband den Neu-Ulmer mit dem Ulmer Bahnhof über die Insel und den Münsterplatz.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg

Von Juni 1940 bis April 1945 warfen rund 2.100 Flugzeuge etwa 310.000 Bomben über Ulm und Neu-Ulm ab. 2.006 Menschen wurden getötet, 1.325 verletzt, 60.444 obdachlos; 81,1 Prozent der Altstadt wurden zerstört. Allein beim schwersten Angriff am 17. Dezember 1944 warfen 330 Flugzeuge in 27 Minuten 1.449 Tonnen Bomben ab; 707 Menschen starben. Dass das Münster die Angriffe überstand, gilt als großes Wunder – bewusst verschont wurde es nicht.

So sah Ulm etwa vom Hauptbahnhof aus. Die über Jahrhunderte gewachsene mittelalterliche Stadt wurde schwer getroffen.
So sah Ulm etwa vom Hauptbahnhof aus. Die über Jahrhunderte gewachsene mittelalterliche Stadt wurde schwer getroffen.
Am Münsterplatz: Die Gebäude stürzten nachträglich ein und hinterließen eine Trümmerlandschaft. Auch die Straßenbahn blieb nicht verschont.
Am Münsterplatz: Die Gebäude stürzten nachträglich ein und hinterließen eine Trümmerlandschaft. Auch die Straßenbahn blieb nicht verschont.
Die Herdbrücke über die Donau steht nicht mehr. Ein Teil der Gleise hängt über dem Fluss und droht abzustürzen.
Die Herdbrücke über die Donau steht nicht mehr. Ein Teil der Gleise hängt über dem Fluss und droht abzustürzen.

Eine Geschichte mit Zukunft?

Wiederaufbau und Wirtschaftswunder brachten Fortschritt, doch oft zweckmäßig statt schön oder umweltgerecht. In den 1980er-Jahren gab es Pläne für ein Straßenbahnnetz mit fünf Linien, die an politischen Entscheidungen scheiterten. Heute wird der Straßenbahn wieder mehr Bedeutung beigemessen: Seit 2018 fährt die Linie 2 bis zur Universität. In einer Stadt wie Ulm braucht es auch in Zukunft eine moderne Straßenbahn.

Eine historische Sonderfahrt mit Wagen Nr. 13 im Oktober 2024. Im Hintergrund die Universität Ulm, seit 2018 mit der Linie 2 erreichbar.
Eine historische Sonderfahrt mit Wagen Nr. 13 im Oktober 2024. Im Hintergrund die Universität Ulm, seit 2018 mit der Linie 2 erreichbar.
Der westliche Münsterplatz, vom Münster aus gesehen. Die Hirschstraße teilt das Bild und gabelt sich in die Glöcklerstraße links und die Bahnhofstraße rechts.
Der westliche Münsterplatz, vom Münster aus gesehen. Die Hirschstraße teilt das Bild und gabelt sich in die Glöcklerstraße links und die Bahnhofstraße rechts.
Die Herdbrücke mit Straßenbahn nach Neu-Ulm – ihr Wiederaufbau wäre ein Gewinn an Lebensqualität.
Die Herdbrücke mit Straßenbahn nach Neu-Ulm – ihr Wiederaufbau wäre ein Gewinn an Lebensqualität.
Mit der Straßenbahn als nachhaltigem Verkehrsmittel können Ulm und Neu-Ulm schneller und lebenswerter werden.
Mit der Straßenbahn als nachhaltigem Verkehrsmittel können Ulm und Neu-Ulm schneller und lebenswerter werden.

Humoristische Zukunftsvisionen

„Ulm a. D. in der Zukunft“: Über den Platz fahren Straßenbahnen und Autos, Schwebebahn, Zeppeline und Ballons bedecken den Himmel.
„Ulm a. D. in der Zukunft“: Über den Platz fahren Straßenbahnen und Autos, Schwebebahn, Zeppeline und Ballons bedecken den Himmel.
Keine Zukunftsvision, sondern ein Rückblick auf die Anfänge der Flugpioniere und eine Ehrung der in 100 Jahren erzielten Erfolge.
Keine Zukunftsvision, sondern ein Rückblick auf die Anfänge der Flugpioniere und eine Ehrung der in 100 Jahren erzielten Erfolge.
Ganz verkehrt waren die Vorstellungen nicht: Autos, Züge und Zeppeline wurden stetig besser. Ob Schwebebahnen für Ulm sinnvoll sind, darf diskutiert werden.
Ganz verkehrt waren die Vorstellungen nicht: Autos, Züge und Zeppeline wurden stetig besser. Ob Schwebebahnen für Ulm sinnvoll sind, darf diskutiert werden.
Eine Straßenbahn zwischen Ulm und Neu-Ulm war lange kein Wunsch, sondern Wirklichkeit – der Wunsch, dass sie es wieder wird, wächst.
Eine Straßenbahn zwischen Ulm und Neu-Ulm war lange kein Wunsch, sondern Wirklichkeit – der Wunsch, dass sie es wieder wird, wächst.
Über die Ausstellung Das Exponat „Die Ulmer Straßenbahn: Eine Geschichte mit Zukunft?“ von Günter Thumerer und Paris Dimitriadis entstand aus der gemeinsamen Sammelarbeit im Verein. Fachliteratur zu Ansichtskarten der Ulmer Straßenbahn gibt es nicht; das Wissen wurde über Jahre im Verein zusammengetragen. Weiterführend: „Ulmer Bilder-Chronik“ (Verlag Dr. Karl Höhn), Helmut Pflüger: „Das alte Stadtbild“, Eberhard Neubronner: „Ulm in Trümmern“, Daniel Riechers: „100 Jahre Straßenbahn Ulm/Neu-Ulm“ sowie „125 Jahre Straßenbahn in Ulm und Neu-Ulm“ (Nahverkehrsfreunde und SWU). Dank an die Nahverkehrsfreunde Ulm/Neu-Ulm für ihre Unterstützung.